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23 Aug 2011
Zuletzt aktualisiert am 20 Mai 2013, 10:22
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Immer weniger Kinder, noch dazu fußballbegeisterte, immer weniger Erwachsene, die bereit sind, als Trainer oder Betreuer ihre Freizeit zu opfern: Diese Erfahrung machen fast alle Sportvereine auf dem Land. Weshalb immer häufiger dorfübergreifend zusammen gearbeitet wird. Nicht nur in Spielgemeinschaften, sondern zunehmend auch in Neugründungen von Vereinen, wie es jetzt mit der „Juniorenfördergemeinschaft Euland-Region 2011 e.V.“ für fünf Dörfer gelungen ist.

Fünf Dörfer sind dabei

Euland-Region, Land rund um die Euer: Mit diesem Vereinsnamen identifizieren sich seit Juli die Fußball spielenden Jungs aus Euerbach, Geldersheim, Kützberg, Obbach und Sömmersdorf. Um in der kommenden Saison ab September 2011 als „JFG Euland-Region“ in den Altersklassen U 13, U 15, U 17 und U 19 mitzumischen, von der D- bis zur A-Jugend.

„Ein harter, steiniger Weg“ sei die Vereinsgründung gewesen, denkt der sportliche Leiter Norbert Mergenthal an die Zeit zwischen Januar 2010 und Juni 2011. Dabei war nicht so sehr die Bereitschaft zur Zusammenarbeit in den fünf betroffenen Sportvereinen – VfL Euerbach, FC Geldersheim, TSV Kützberg, TSV Obbach und SV Sömmersdorf – das Problem. Dort war den Verantwortlichen die Lage wohl bewusst: Dass in den meisten Altersklassen zu wenige Jungs Fußball spielen – dank der „Konkurrenz“ Playstation, Computer, Tennis oder Nachmittagsunterricht. Dass fast ausschließlich selbst Fußball spielende Väter die Jungs betreuen und damit an ihre Zeitgrenzen stoßen. Dass für Spielgemeinschaften jedem Verein einiges an Kosten entsteht, etwa fürs Umschreiben der Spielerpässe. Dass talentierte Jungfußballer den Dorf-Heimatverein Richtung Schweinfurt verlassen (müssen). Und damit der eigenen Herrenmannschaft verloren gehen.

Die Konsequenz: „Sich so aufstellen, dass Fußball spielen wieder attraktiv erscheint“, wie es der Sömmersdorfer Mergenthal nennt. Jeder, egal ob Sport-As oder nicht, soll den Spaß am Kicken finden, soll gut ausgebildet werden und auch eine Chance erhalten, zu spielen. Zumal in der JFG pro Altersklasse zwei Mannschaften gebildet werden sollen. Bei derzeit 116 Kids aus den fünf Dörfern gelingt dies beinahe.

Denn hinter dem reinen Sport als Ziel steht für den bereits gewählten JFG-Vorstand auch, dass die Jungs lernen, miteinander umzugehen. Aus eigener Erfahrung weiß etwa der Geldersheimer Frank Seifert, bei der JFG für Finanzen zuständig, wie leicht man sich früher beim Kicken „draußen auf der Straße“ gefunden hat, wie sich Freundschaften bildeten, Cliquen fanden, mit denen man später auch wegging.

Weil das heutzutage eben nicht mehr selbstverständlich ist, will die JFG nachhelfen. „Wie schnell sich die Jugendlichen aus den verschiedenen Dörfern verstehen lernen, zeigt doch, dass 14 von ihnen gerade für eine Woche gemeinsam in Bulgarien Urlaub machten“, weiß JFG-Beisitzer Klaus Markert. Überhaupt hänge viel von den persönlichen Freundschaften ab, ob das Konzept mit der Juniorenfördergemeinschaft funktioniere, so Mergenthal.

Um dem Ganzen eine Struktur zu geben, musste eine Satzung ausgearbeitet, notariell bestätigt, vom Bayerischen Fußballverband für gut befunden und von den Mitgliedern der Stammvereine befürwortet werden. Ein Vorstand wurde gewählt mit je zwei Vertretern jedes Ursprungs-Vereins. Verantwortung übernommen haben jetzt Frank Seifert (Geldersheim) für Finanzen, Karsten Keller (Kützberg) für Sponsoring, Stefan Mauder (Geldersheim) für Öffentlichkeitsarbeit, Norbert Mergenthal (Sömmersdorf) für die sportliche Leitung, Stefan Volpert (Obbach) für Veranstaltungen sowie die Beisitzer Thomas Guck (Obbach) als Kassier, Klaus Markert (Sömmersdorf) für Sonderaufgaben, Steffi Weinknecht (Geldersheim) als Schriftführerin, Rüdiger Brändlein (Euerbach) als stellvertretender sportlicher Leiter, Andreas Hartken (Obbach) für Sonderaufgaben und Martin Keidel (Euerbach) und Matthias Bohn (Obbach).

Mit Blick nach vorn

Zur Finanzierung erhält die JFG Euland-Region von jedem Stammverein pro Spieler 36 Euro, „ob das reicht, werden wir am Ende der Saison sehen“, sagt Seifert. Nach einem ausgetüftelten Schlüssel müssten die Restkosten dann verteilt werden. Und: Man brauche natürlich Sponsoren, die das Konzept der Jugendförderung stützen. Trainer und Betreuer arbeiten ehrenamtlich, „weil es immer noch und trotzdem Spaß macht“, so Stefan Mauder. Aber Kosten gebe es eben, von der Vergütung des Schiedsrichters bis zum Abstreuen der Fußballplätze oder den Trikots. Da wären auch zahlende Mitglieder wichtig. Und fußballfreudige Eltern.

Erfahrungen zu sammeln, ist dem Vorstand wichtig. Um die Jugend an die Dörfer zu binden, damit sie nicht in die Stadt abwandern, und, um für die eigenen Herren-Mannschaften Nachwuchs zu haben.

Quelle: Mainpost